Ein Kommentar

Internationale Konferenz für Elektromobilität in Berlin

Bundesminister Ramsauer auf der internationalen Konferenz Elektromobilität. Bild: © BMVBS
Bundesminister Ramsauer auf der internationalen Konferenz Elektromobilität. Bild: © BMVBS

1 Million Elektrofahrzeuge auf in Deutschland auf die Straße zu bringen und das bis zum Jahr 2020 - das ist das erklärte Ziel unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. Warum auch nicht - sollte durchaus möglich sein.

Am 27.05.2013 stand jedenfalls Berlin ganz im Zeichen der elektrischen Automobilität, denn es fand die internationale Konferenz für Elektromobilität statt.

Und Deutschland soll natürlich ein Vorreiter in Technologie und Durchführung sein - wie immer. Dabei sind gerade in Deutschland die Voraussetzungen nicht unbedingt ideal für Elektroautos.

Energiewende
Eine ökologisch sinnvolle Energiewende in Deutschland ist nur durch regenerative Energieen möglich. So weit sind sich im Grundsatz ja alle Größen der Politik und Wissenschaft einig. Im Detail klaffen die Vorstellungen allerdings weit auseinander. Schwarz/Gelb setzt an dieser Stelle gerne auf Kohle - wie man so schön sagt, als Brückentechnologie. Das allerdings hilft den Elektroautos wenig, denn damit steigt der Schadstoffausstoß auch für den elektrischen Antrieb.

Etwa 600 g CO2 werden beim derzeitigen Strommix pro Kilowattstunde Strom ausgestoßen. Und dieser Wert ist seit dem Atomausstieg 2011 angestiegen. Auch die weiter vordringenden erneuerbaren Energien konnten dies leider nicht verhindern.

Auf unseren Serviceseiten haben wir eine detaillierte Rechnung über den CO2-Ausstoß von Elektrofahrzeugen eingestellt und dieser Vergleich sieht für Elektroautos nicht positiv aus.

18% des Stroms immer noch aus Kernenergie
Im Jahr 2012 ist immer noch etwa 16,2% des Stroms in Kernkraftwerken produziert worden. Gegenüber 2010 ist dies zwar ein Rückgang von 6% aber die restlichen AKW sollen ins spätestens neun Jahren vom Netz. Die gesamte Strommenge für 2012 entsprach noch 89 Mrd. kWh - das ist ungefähr so viel, wie durch Fotovoltaik, Windenergie und Wasserkraft zusammen erzeugt wurde.

Kohlekraftwerke gehen ans Netz
Geschlossen wird die Lücke derzeit vorwiegend durch Kohle. Hier sind in den letzten Jahren mit den Braunkohleblöcken im Kraftwerk Neurath bei Köln zwei der größten Braunkohleblöcke (Leistung: 1.050 MW) ans Netz gegangen. Auch im Bereich der Steinkohle kommt einiges Neues ans Netz. Es seien hier das Kraftwerk Westfalen in Hamm mit zwei neuen Blöcken von je 800 MW Leistung und auch das zweite Kraftwerk in Wilhelmshaven mit ebenfalls 800 MW Leistung erwähnt.

Alle diese Kraftwerke haben zwar einen deutlich höheren Wirkungsgrad als immer noch laufende Blöcke aus den 70er Jahren - sie werden allerdings wahrscheinlich den Ausstoß pro Kilowattstunde noch einmal in die Höhe treiben.

Elektroautos führen zu mehr Stromverbrauch
Bei einer Laufleistung von 15.000 Kilometern pro Jahr benötigt jedes Elektroauto im Jahr etwa 2.400 Kilowattstunden elektrische Energie. Bei dem festgelegten Ziel für 2020 von 1 Mio. Elektroautos wären dies nochmals 2,4 Mrd. kWh zusätzlicher Stromverbrauch. Nicht viel, mag man meinen, aber immerhin etwa 10% der gesamten Strommenge, die durch Solarenergie in 2012 erzeugt wurde.

Würde man jetzt einmal annehmen, dass alle Autos in Deutschland elektrisch fahren würden, gäbe es eine Energielücke von etwa 100 Mrd. Kilowattstunden. Das entspricht dann etwa 20% der deutschen Energieerzeugung. Der LKW-Verkehr ist hier selbstverständlich noch nicht mit eingerechnet.

Akzeptanz für Elektroautos sinkt
Die Bereitschaft der Käufer, wesentlich mehr Geld für ein unflexibleres Automobil auszugeben sinkt nach der anfänglichen Euphorie für das emissionsfreie Fahren deutlich. Nicht zuletzt dadurch, dass man sich mit dem Wort "emissionsfrei" eigentlich nur einen in die Tasche lügt.

Fest steht: Auftretende Energielücken werden hierzulande derzeit durch Kohle geschlossen und das fördert das Image von Elektroautos nun wirklich nicht.

An die Politik
Lieber Herr Ramsauer, wir freuen uns über die Unterstützung der Bundesregierung für das Thema Elektromobilität, denn Forschung und Entwicklung sind hier besonders wichtig um den Standort Deutschland als Mekka der Elektromobilität zu festigen. Aber genauso wichtig ist das Image der Energieerzeugung, denn die meisten Autofahrer können sich nicht einfach eine Solaranlage auf das Dach kleben. Für sie kommt der Strom einfach aus der Steckdose, aus der Kohle oder eben aus den regenerativen Energieen. Aber das können wir nicht beeinflussen.

Autor: Christian Schön
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