Erstmaliger Einsatz der Kompressor-Motoraufladung bei einem Rennen

1922: Mercedes siegt bei der Targa Florio in Italien

Targa Florio, 2. April 1922: Empfang der Mercedes-Wagen im Werk Untertürkheim, 13.04.1922. Otto Salzer und Beifahrer August Grupp auf Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen, 1914. Salzer belegte in der Kategorie Rennwagen den vierten Platz - copyright: Daim
Targa Florio, 2. April 1922: Empfang der Mercedes-Wagen im Werk Untertürkheim, 13.04.1922. Otto Salzer und Beifahrer August Grupp auf Mercedes 115 PS Grand-Prix-Rennwagen, 1914. Salzer belegte in der Kategorie Rennwagen den vierten Platz - copyright: Daim

Das Straßenrennen Targa Florio in Sizilien gerät 1922 für die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) zum großen Triumph. Den Sieg im Gesamtklassement fährt der italienische Privatfahrer Graf Giulio Masetti auf einem Mercedes Grand-Prix-Rennwagen ein. Zusätzlich geht das DMG-Werksteam mit sechs weiteren Fahrzeugen an den Start und gewinnt den Titel bei den Serienwagen. Dabei kommt erstmals bei einem Rennen die von Paul Daimler initiierte Kompressoraufladung des Motors zum Einsatz, die in den Folgejahren dem Unternehmen bei allen großen Wettbewerben Sieg auf Sieg bescheren wird.

Am großen Fahrzeugaufgebot der DMG kann die Bedeutung der Targa Florio zu jener Zeit abgelesen werden: Sie ist ein sehr schwieriges Straßenrennen mit internationaler Geltung. Die DMG schickt sehr unterschiedliche Fahrzeuge ins Rennen, bewährte und neue – sie will die Targa Florio auf jeden Fall gewinnen. Da ist es fast eine Ironie der Geschichte, dass nicht sie selbst den Gesamtsieger stellt, sondern ein Privatfahrer auf seinem Mercedes die begehrte Trophäe erhält.

Das Fahrzeug des Siegers Graf Masetti entspricht in den wesentlichen Punkten dem Grand-Prix-Rennwagen, mit dem der DMG-Werkspilot Christian Lautenschlager vor dem Ersten Weltkrieg am 4. Juli 1914 den Großen Preis von Frankreich in Lyon gewonnen hatte. Der Motor ist eine wegweisende Neukonstruktion: Aus 4,5 Liter Hubraum entwickelt er eine Leistung von 105 PS (77 kW) bei 3100/min, die Höchstleistung beträgt 106 PS. Die Konstruktion gibt eine oben liegende Nockenwelle sowie für die bessere Beatmung zwei Einlass- und zwei Auslassventile vor – der erste Mercedes-Motor mit Vierventiltechnik. Die Kurbelwelle ist fünffach gelagert und aus Spezialstahl hergestellt, um einen zuverlässigen Dauerbetrieb zu ermöglichen. Ausgelegt ist der Motor auf eine Drehzahl von 3500/min, was für damalige Verhältnisse sensationell ist, quittieren andere Triebwerke doch meist bei rund 2200/min ihren Dienst. Auch das Chassis des Rennwagens bietet Neuerungen, unter anderem einen Kardan- anstelle eines Kettenantriebs. Das Fahrzeug wiegt rund 1080 Kilogramm und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.

Die italienischen Fans machen es ausländischen Rennfahrzeugen beim Straßenrennen Targa Florio nicht gerade leicht. Immer wieder behindern sie diese, um den einheimischen Marken bessere Chancen zu geben. Graf Masetti bedient sich deshalb eines Tricks, um ungehindert fahren zu können: Er lässt seinen Mercedes in der traditionellen italienischen Rennfarbe Rot lackieren, so dass sich ihm niemand in den Weg stellt. Diese Taktik ist erfolgreich und führt die DMG zwei Jahre später erneut zum Sieg bei der Targa Florio.

Sechs Fahrzeuge schickt die DMG 1922 in Sizilien auf die Strecke. Neben zwei weiteren Grand-Prix-Rennwagen von 1914 holt Max Sailer den Titel der Serienwagen auf einem Typ 28/95 PS, der eigens für das Rennen mit einem Kompressor ausgerüstet ist. Der zweite 28/95 PS kommt ohne Kompressor zum Einsatz.

In der Kategorie bis 1,5 Liter Hubraum nehmen zwei völlig neu konstruierte Mercedes 1,5-Liter-Kompressorwagen vom Typ 6/40/65 PS teil, die eng verwandt sind mit den Personenwagen 6/25/40 PS und 10/40/65 PS. Die Motorleistung des Sportwagens beträgt 40 PS (29 kW), mit zugeschaltetem Kompressor sind es 65 PS (48 kW). Der Vierzylindermotor hat zwei durch eine Königswelle angetriebene oben liegende Nockenwellen, zwei Einlass- und zwei Auslassventile je Brennraum und erstmals in der Zylindermitte angeordnete Zündkerzen. Die Höchstgeschwindigkeit des rund 1400 Kilogramm wiegenden Fahrzeugs beträgt 135 km/h.

Später gelangt ein solcher Motor auf den Prüfstand und erreicht sogar eine Effektivleistung von 54 PS (40 kW) bei 4000/min, die der Kompressor auf 72 PS (53 kW) erhöht; bei der Höchstdrehzahl von 4500/min sind es sogar 79 PS (58 kW). Die Aufladung sorgt also bei einem begrenzten Hubraum für einen echten Vorteil. Sie hatte sich zuvor bei Flugmotoren bewährt, um dort den Leistungsverlust in großer Höhe wegen des dort geringeren Sauerstoffgehalts zu kompensieren.

Der eine Fahrer des neuen 1,5-Liter-Kompressorwagens, Paul Scheef, erreicht bei der Targa Florio 1922 in seiner Klasse den dritten Rang, während der Italiener Fernando Minoia am Volant des zweiten Rennwagens aufgeben muss. Dennoch: Die Mercedes Fahrzeuge haben sich unter härtesten Bedingungen bewährt und gleichzeitig das Potenzial der Kompressortechnik gezeigt.

Zurück zur Übersicht
Neuere Nachrichten:Ältere Nachrichten:

Zufällige Bilder aus unserer Bildgalerie:

Ford Maverick
Ford Maverick
Toyota Auris
Toyota Auris
Jeep Compass
Jeep Compass
Mitsubishi Colt CZ3
Mitsubishi Colt CZ3
 
Padborg Park
Das Feeling auf einer Rennstrecke... - Foto: pixabay.com
Wer aus Norddeutschland kommt und Streckenzeit sucht, schaut zunehmend nach Dänemark, weil Anreise, Streckenbetrieb und Trainingsangebote dort oft überraschend unkompliziert zusammenpassen. Besonders ... mehr ...
 
Materialvergleich und Praxistipps
Zurrgurt liegt unter Spannung direkt auf einer scharfen Metallkante ohne Schutz. - Foto: pexels

Kantenschutz bei der Ladungssicherung: Warum er unverzichtbar ist

Ein Transporter voller Möbel, Maschinenteile oder Paletten mit Metallprofilen – und mittendrin ein Zurrgurt, der nach wenigen ... mehr ...
 
Nachhaltig unterwegs
Foto von Andersen EV auf Unsplash

Wer sein E-Auto zu Hause lädt

Wer sein E-Auto zu Hause mit selbst erzeugtem Solarstrom lädt, zahlt pro Kilowattstunde in aller Regel deutlich weniger als an einer öffentlichen Ladesäule. Ein ... mehr ...
 
Neue Bildgalerien

Der neue Audi Q9
Erstmals dringt Audi mit dem Q9 in diese Dimensionen vor.

Der neue Mercedes GLA
Der neue Mercedes GLA kommt zuerst nur elektrisch, später auch als Hybrid.

Premiere des VW ID. Cross
Etwas höher und länger als der ID. Polo: Das ist der neue VW ID. Cross. Also das Pendant zum T-Cross.

Neuer Audi A6 allroad
Ein Jahr nach der Premiere des neuen Audi A6 haben die Ingolstädter nun auch den A6 allroad vorgestellt. Voll breit.

BMW 7er Facelift 2026
Im Sommer 2026 gibt es ein Facelift und Upgrade für den BMW 7er

Erstmals: BMW iX5
In der BMW X5-Reihe gibt es in der neuen Generation erstmals einen iX5

Der neue BMW X5 (2027, G65)
Der neue BMW X5 kommt als drittes Modell der „Neuen Klasse“. Die Lichtsignatur ist gewöhnungsbedürftig.

Upgrade für den Audi A3 Sportback
Zu guter Letzt noch die Bildgalerie zum Upgrade des A3 Sportback: Auch hier finden die Änderungen innen statt.

Upgrade für den Audi A3 Sportback
Zu guter Letzt noch die Bildgalerie zum Upgrade des A3 Sportback: Auch hier finden die Änderungen innen statt.
 
© Dynamic Works Software & Technology GmbH • 2026