Gottlieb Daimler und Karl Benz

Die Entstehungsgeschichte der Marke Mercedes-Benz und des Sterns

DIE ERFINDER: Gottlieb Daimler (li.), 1834-1900, Erfinder und Schöpfer des ersten schnelllaufenden Benzinmotors 1883, des Reitrades 1885 und der ersten Motorkutsche 1886. Karl Benz (re.), 1844-1929, Erfinder und Schöpfer des ersten ganzheitlichen Automobi
DIE ERFINDER: Gottlieb Daimler (li.), 1834-1900, Erfinder und Schöpfer des ersten schnelllaufenden Benzinmotors 1883, des Reitrades 1885 und der ersten Motorkutsche 1886. Karl Benz (re.), 1844-1929, Erfinder und Schöpfer des ersten ganzheitlichen Automobi

Mit der Erfindung des schnelllaufenden Motors und des Automobils legten Gottlieb Daimler und Karl Benz in den 1880er Jahren unabhängig voneinander den Grundstein für den motorisierten Individualverkehr. Beide brachten ihre privaten Entwicklungsarbeiten mit Hilfe von Geldgebern und Teilhabern in eigene Unternehmen ein: In Mannheim gründete Benz im Oktober 1883 die Firma Benz & Cie., in Cannstatt entstand im November 1890 die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG).

Um ihre Produkte bekannt und unverwechselbar zu machen, suchten beide Firmen nach einem einprägsamen Warenzeichen. Zunächst waren es die Namen der Erfinder selbst, „Benz“ und „Daimler“, die für den Ursprung und die Qualität der Motoren und Fahrzeuge bürgten. Doch während sich die Schutzmarke von Benz & Cie. namentlich nicht veränderte – nur anstelle des Zahnrades von 1903 umgab ab 1909 ein Lorbeerkranz den Namen Benz -, taucht für die Fabrikate der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) nach der Jahrhundertwende der völlig neue Markenname „Mercedes“ auf. Wie kam es dazu?

Emil Jellinek wird aktiv

Mercédès ist ein spanischer Frauenname und bedeutet „Gnade“. Mercedes hieß die 1889 geborene Tochter des in Baden bei Wien und in Nizza lebenden österreichischen Geschäftsmanns Emil Jellinek.

Jellinek, ein moderner und sportinteressierter Mann, war ein begeisterter Anhänger des technischen Fortschritts und des Automobils. Er war überzeugt, dass das Automobil die Zukunft verändern würde. Bereits 1897 reiste er nach Cannstatt und bestellte seinen ersten Daimler-Wagen, einen 6-PS-Riemenwagen mit Zweizylindermotor.

Schon bald war das im Oktober 1897 gelieferte Fahrzeug mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 24 km/h Jellinek zu langsam. Er forderte eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und bestellte zwei Fahrzeuge des Typs Daimler „Phönix“ mit vorn liegendem 8-PS-Motor. Die beiden im September 1898 ausgelieferten Automobile waren die weltweit ersten Straßenfahrzeuge mit Vierzylindermotor.

Emil Jellinek pflegte gute Beziehungen zur internationalen Finanzwelt und Aristokratie und entwickelte sich zunehmend als Geschäftsmann: 1898 begann er, die Daimler-Automobile insbesondere in den höchsten Kreisen der Gesellschaft zu vertreiben. Im Jahr 1899 lieferte die DMG bereits zehn Fahrzeuge an Jellinek, 1900 waren es sogar schon 29.

Jellinek forderte von der DMG immer stärkere und schnellere Fahrzeuge und meldete diese ab 1899 auch zu Rennveranstaltungen an – allen voran bei der Woche von Nizza. Bei diesen Rennen trat er gewöhnlich unter seinem Pseudonym „Mercédès“ auf, dem Namen seiner damals zehnjährigen Tochter. Diesen in Automobilistenkreisen schließlich sehr bekannten Namen benutzte Jellinek zunächst nicht als Automobilmarke, sondern als reinen Team- bzw. Fahrernamen.

Anfang April 1900 trafen die DMG und Jellinek eine Vereinbarung über den Vertrieb von Daimler-Wagen und -Motoren. Mit der Entscheidung, einen neuen Motor zu entwickeln, der „den Namen Daimler-Mercedes führen“ sollte, wurde Jellineks Pseudonym auch zur Produktbezeichnung. 14 Tage später bestellte Jellinek 36 Fahrzeuge zum Gesamtpreis von 550 000 Mark – nach heutigem [2005] Geldwert 2,3 Millionen Euro und nicht nur für damalige Verhältnisse ein Großauftrag. Nur wenige Wochen später gab er erneut 36 Fahrzeuge in Auftrag, alle mit 8 PS-Motor.

Der erste Mercedes und das neue Warenzeichen

Am 22. Dezember 1900 lieferte die DMG den ersten mit dem neuen Motor ausgerüsteten Wagen an Jellinek, einen 35 PS-Rennwagen. Dieser erste „Mercedes“, entwickelt von Wilhelm Maybach, dem Chefkonstrukteur der DMG, sorgte zu Beginn des Jahrhunderts für Furore. Mit seinem niedrigen Schwerpunkt, dem Pressstahlrahmen, dem leichten und leistungsstarken Motor und dem Bienenwabenkühler gilt er heute als das erste moderne Automobil.

Die Woche von Nizza im März 1901, bei der die eingesetzten Mercedes-Wagen in praktisch allen Disziplinen unschlagbar waren, verhalf Jellinek und dem Mercedes zu außergewöhnlicher Publizität. Im März und August 1901 erschienen die Schwestermodelle 12/16 PS und 8/11 PS. Jellineks weitere Bestellungen lasteten die Produktionskapazität des Cannstatter Daimler-Werks völlig aus.

Am 23. Juni 1902 wurde der Name „Mercédès“ als Warenzeichen angemeldet und am 26. September gesetzlich geschützt. Emil Jellinek erhielt im Juni 1903 die Erlaubnis, sich fortan Jellinek-Mercedes zu nennen. „Wohl zum ersten Mal trägt der Vater den Namen seiner Tochter“, kommentierte Jellinek.

Die Entstehung des Sterns

Die DMG verfügte nun über einen erfolgreichen Markennamen, aber noch fehlte ein charakteristisches Warenzeichen. Da erinnerten sich Gottlieb Daimlers Söhne Paul und Adolf, beide in der DMG in leitender Position, dass ihr Vater, der im März 1900 im Alter von fast 66 Jahren verstorben war, einst einen Stern als Symbol verwendet hatte.

Gottlieb Daimler, von 1872 bis 1881 Technischer Direktor der Gasmotorenfabrik Deutz, hatte zu Beginn seiner dortigen Tätigkeit sein Wohnhaus auf einer Ansicht von Köln und Deutz mit einem Stern markiert. Seiner Frau hatte er bedeutet, dieser Stern werde einmal segensreich über seinem Werk aufgehen.

Der Vorstand der DMG griff die Anregung auf und meldete im Juni 1909 sowohl einen Dreizack- als auch einen Vierzackstern als Warenzeichen an. Beide Formen wurden gesetzlich geschützt, doch nur der Dreizackstern kam unmittelbar zum Einsatz und war ab 1910 bei den Wagen vorne am Kühler in plastisch geprägter Form zu sehen.

Der Dreizackstern sollte auch ein Symbol für Daimlers Bemühen um universelle Motorisierung „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ sein. Im Laufe der Jahre wurde er durch verschiedene Zusätze ergänzt. 1916 war er von einem Kreis umgeben, in den vier kleine Sterne und das Wort Mercedes, oder der Name der DMG-Werke Untertürkheim bzw. Berlin-Marienfelde gesetzt waren.

Im November 1921 beantragte die DMG Gebrauchsmusterschutz für neue Varianten ihres Markenzeichens und meldete einen plastischen Dreizackstern im Ring beim Patentamt an, auch in der Ausführung als Kühlerfigur. Die Eintragung als Warenzeichen erfolgte im August 1923.

„Der gute Stern auf allen Straßen“

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war geprägt von der Inflation und Absatzschwierigkeiten – besonders bei Luxusgegenständen wie Personenwagen – und lastete schwer auf der deutschen Automobilindustrie. Nur gut eingeführte Marken finanzstarker Unternehmen blieben lebensfähig, waren aber häufig zu Zusammenschlüssen oder Kooperationen gezwungen. So bildeten auch die langjährigen Konkurrenten DMG und Benz & Cie. bereits 1924 eine Interessengemeinschaft, um durch Vereinheitlichung der Konstruktion und Fabrikation, des Einkaufs und des Vertriebs sowie der Werbung wettbewerbsfähig zu bleiben.

Während dieser Zeit warben beide Häuser für ihre Produkte meist schon gemeinsam, aber immer noch mit den getrennten Warenzeichen. Zwei Jahre später, im Juni 1926, schlossen sich die beiden ältesten Automobilfabriken zur Daimler-Benz AG zusammen.

Nun wurde ein neues Markenzeichen geschaffen, das die wesentlichen Elemente der bisherigen Embleme umfasste: den weltbekannten Dreizack-Stern der Daimler-Motoren-Gesellschaft umgab man mit ihrer Wortmarke „Mercedes“ und dem ebenso ruhmreichen Markennamen „Benz“, dessen Lorbeerkranz beide Wörter verband.

Dieses Warenzeichen – im Laufe der Jahrzehnte kaum verändert – schmückt heute noch die Fahrzeuge der Marke „Mercedes-Benz“. Der „gute Stern“ ist auf allen Straßen zum Symbol für Qualität und Sicherheit geworden, und der Name „Mercedes-Benz“ gilt auf der ganzen Welt als Inbegriff für Tradition und Innovation, für die Zukunft des Automobils.

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