Bild: Symbolbild Abgasnorm (mit ki-generiert)Die neue Euro-7-Schadstoffnorm wird in der Europäischen Union schrittweise wirksam. Für neu typgenehmigte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge gilt sie ab dem 29. November 2026, ein Jahr später – ab dem 29. November 2027 – müssen sämtliche neu zugelassenen Fahrzeuge dieser Klassen die Vorgaben erfüllen. Bei Pkw bleiben die bisherigen Grenzwerte für Abgasschadstoffe weitgehend auf dem Niveau von Euro 6 e, zugleich werden jedoch strengere Anforderungen an Partikelemissionen, die Dauerhaltbarkeit der Abgasreinigung und die Überwachung im realen Fahrbetrieb eingeführt. Erstmals berücksichtigt die Norm zudem den Abrieb von Bremsen und Reifen. Für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge kommen Vorgaben zur Haltbarkeit der Antriebsbatterie hinzu. Schwere Nutzfahrzeuge und Busse folgen mit längeren Übergangsfristen. Grundlage ist die bereits 2024 in Kraft getretene EU-Verordnung 2024/1257.
Euro 7 gilt erstmals auch für Elektroautos
Erstmals werden mit Euro 7 auch reine Elektroautos ausdrücklich von einer europäischen Schadstoffnorm erfasst. Da sie lokal keine Abgase ausstoßen, stehen bei ihnen vor allem die Partikelemissionen durch Brems- und Reifenabrieb im Mittelpunkt. Für den Bremsabrieb gelten verbindliche Grenzwerte, wobei Elektrofahrzeuge durch die Rekuperation ihre mechanischen Bremsen meist seltener nutzen.
Darüber hinaus schreibt Euro 7 eine Mindesthaltbarkeit der Antriebsbatterie vor: Nach fünf Jahren oder 100.000 Kilometern muss sie noch mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität besitzen, nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern mindestens 72 Prozent. Damit erweitert Euro 7 den Blick von klassischen Auspuffemissionen auf weitere Umweltwirkungen und die langfristige Qualität elektrischer Antriebe.
VW Golf und T-Roc liefern erste Euro 7 – Modelle
Die ersten Modelle, die uns bislang bekannt sind, haben wir für
den VW Golf und
den T-Roc erfasst. Hier sind es die beiden neuen und spannenden Hybrid-Modelle mit 170 PS Spitzenleistung und beim T-Roc zusätzlich auch der neue 190 PS TSI 4MOTION. Beide Varianten erfüllen die erst in einigen Monaten wirksame Norm schon heute und können somit als sicheres und zukunftsfähiges Invest gelten.
Brems- und Reifenabrieb im Fokus von Euro 7
Mit den Vorgaben für Brems- und Reifenabrieb verfolgt Euro 7 das Ziel, auch jene Partikelemissionen zu verringern, die unabhängig von der Antriebsart entstehen. Beim Bremsen gelangen vor allem feine Metall- und Materialpartikel in die Umgebungsluft, während der Reifenabrieb unter anderem zur Belastung durch Mikroplastik beiträgt und sich in Böden sowie Gewässern anreichern kann. Für Pkw gilt beim Bremsabrieb zunächst ein PM10-Grenzwert von 3 Milligramm je Kilometer für reine Elektroautos und von 7 Milligramm für die meisten Fahrzeuge mit Verbrennungs-, Hybrid- oder Brennstoffzellenantrieb.
Ab 2035 soll der Wert für alle Antriebsarten auf 3 Milligramm sinken. Beim Reifenabrieb schafft Euro 7 erstmals die rechtliche Grundlage für verbindliche Höchstwerte. Diese werden nach Reifenkategorie und Einsatzzweck differenziert, sobald einheitliche UN-Messverfahren vollständig verfügbar sind. Hersteller sollen dadurch verschleißärmere Bremsanlagen, optimierte Rekuperationssysteme und langlebigere Reifen entwickeln. Langfristig soll verhindert werden, dass die sinkenden Auspuffemissionen durch weiterhin hohe Partikelmengen aus Bremsen und Reifen teilweise wieder aufgehoben werden.
Europäische Schadstoffnormen: Wie alles begann
Die Geschichte der europäischen Schadstoffnormen begann 1992 mit Euro 1. Die erste Stufe führte verbindliche Grenzwerte für Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Partikel ein und trug zur flächendeckenden Verbreitung des geregelten Katalysators sowie von bleifreiem Benzin bei.
Mit Euro 2 ab 1996 und Euro 3 ab 2000 wurden die Vorgaben weiter verschärft und die Grenzwerte für einzelne Schadstoffe stärker differenziert. Euro 4 folgte 2005, bevor Euro 5 ab 2009 vor allem die Partikelemissionen von Dieselfahrzeugen deutlich reduzierte und den Dieselpartikelfilter praktisch zum Standard machte.
Euro 6 konzentrierte sich ab 2014 insbesondere auf niedrigere Stickoxidwerte bei Dieselmotoren. Spätere Entwicklungsstufen ergänzten realitätsnähere Prüfverfahren wie WLTP und RDE, um die Emissionen auch unter Alltagsbedingungen zu kontrollieren. Die Stufe Euro 6 war die bislang am längsten laufende Schadstoffnorm, die allerdings einige teils stark abweichende Unternormen hatte.
So wurde zum Beispiel mit Euro 6c der neue und schärfere Zyklus WLTP bei der Verbrauchsmessung eingeführt. Ebenso bei Euro 6 wurde die RDE-Kontrolle eingeführt, also die Messung von Abgasen im laufenden Verkehr und deren Vergleich mit den Prüfstandswerten.
Euro 7 führt diese Entwicklung fort, erweitert den Ansatz jedoch erstmals über die Abgase hinaus auf Brems- und Reifenabrieb sowie die Haltbarkeit von Antriebsbatterien.
Ist Euro 7 möglicherweise die letzte Abgasnorm?
Euro 7 könnte tatsächlich die letzte klassische Abgasnorm in der bisherigen Euro-Zählung sein – beschlossen ist das jedoch nicht. Mit dem wachsenden Anteil lokal emissionsfreier Fahrzeuge verliert eine weitere Verschärfung der Auspuffgrenzwerte bei Pkw langfristig an Bedeutung. Gleichzeitig werden Verbrennungsmotoren, insbesondere in Nutzfahrzeugen, voraussichtlich noch viele Jahre eingesetzt. Zudem enthält die Euro-7-Verordnung eine Überprüfungsklausel, sodass Grenzwerte und Messverfahren bei neuen technischen oder wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst werden können. Denkbar ist daher sowohl eine spätere Euro-8-Norm als auch eine fortlaufende Weiterentwicklung von Euro 7 durch ergänzende Rechtsakte. Da Euro 7 neben Abgasen auch Brems- und Reifenpartikel sowie die Haltbarkeit von Antriebsbatterien erfasst, könnte sie zugleich den Übergang von einer reinen Abgasnorm zu einem dauerhaften, antriebsübergreifenden Umweltstandard markieren. Offiziell als letzte Abgasnorm bezeichnet wird Euro 7 von der EU bislang nicht.
Fazit
- Mit VW Golf und T-Roc sind erste Euro 7 – Fahrzeuge auf dem Markt verfügbar
- Die Einführung von Euro 7 für neue Typgenehmigungen ist verbindlich ab Ende November 2026
- Ab Ende November 2027 müssen alle Neuzulassungen die neue Abgasnorm erfüllen.
- Mögliche Genehmigung von Ausnahmen bei Auslaufmodellen. Diese dürfen dann gegebenenfalls noch eine gewisse Zeit als Euro 6 Fahrzeuge verkauft werden.