Zu teuer und nur bedingt besser für die Umwelt...

Elektroautos - Ein Thema als gäbs kein Morgen.

Elektromobilität zieht in alle Autokonzerne ein. Aber sind sie mehr als Technologieträger? Bild: Christian Schön / angurten.de
Elektromobilität zieht in alle Autokonzerne ein. Aber sind sie mehr als Technologieträger? Bild: Christian Schön / angurten.de

Elektromobilität ist wieder einmal ein großes Thema auf der IAA in Frankfurt. Von der öffentlichen Wahrnehmung her müsste man meinen, die Zulassungen sind bereits auf Rekordkurs. Meiner Meinung nach ist das aber noch weit gefehlt.

Entwicklungen seit der IAA 2011
Erinnern wir uns mal zwei Jahre zurück: Groß gefeiert wurde damals der Opel Ampera. Einige andere Hersteller vorwiegend aus Europa und Asien hatten ebenfalls E-Mobile im Gepäck.

In diesem Jahr war die Sachlage schon etwas anders. Nahezu jeder Hersteller hatte das Thema Elektromobilität - zumindest in der Form von Plug-In Hybriden - prominent auf dem Messestand stehen. Als Pionier ganz vorne steht natürlich Toyota. Hier hat man mittlerweile von fast jedem Auto auch eine Hybrid-Version und das zu teilweise recht günstigen Preisen, die sich im Rahmen der Diesel-Modelle bewegen.

Bei den vollelektrisch angetriebenen Autos sieht es schon wieder anders aus. Es gibt die unterschiedlichsten Konzepte zu unterschiedlichsten Preisen. In den nächsten Wochen werden wir uns verstärkt diesem Thema widmen und hier mal etwas näher reinschauen.

Konzept: BMW i
Ein etwas anderes Konzept als die meisten Hersteller verfolgt BMW mit seinen i-Modellen. Auf der IAA vorgestellt wurden sowohl der BMW-i3 als kleines Stadtauto als auch der BMW i8 als Sportwagen.

Am erfolgversprechendsten ist für uns der BMW i8. Ein wunderschönes Auto und es hat vor allem eines: Es ist individuell. Der i8 ist eben nicht aus einem Serienmobil abgeleitet, sondern konsequent von Anfang an auf Elektromobilität hin entwickelt. Dazu gehört Mut und da zolle ich BMW hohen Respekt. Ferner ist hier das Segment so gewählt, dass es auf ein paar Batteriekosten wirklich nicht ankommt, denn der BMW i8 kostet satte 126.000 Euro. 326 PS Systemleistung packt BMW dafür in den Wagen - das hat schon was. Werkstoffe sind vom Feinsten - viel Carbonfaser-Verbundwerkstoffe, Magnesium-Legierungen und so weiter machen das Auto leicht und sparsam. Ich glaube, hier werden einige Leute zugreifen. Und ist die Batterie mal leer, lässt sich mit dem 231 PS Benzinmotor (1,5 Liter, Dreizylinder) zur Not ja auch noch weiter fahren.

BMW i3
Beim BMW i3 sehe ich das größte Problem im Markt. Die Preisunterschiede zwischen einem ordentlichen Stadtwagen und den E-Minis ist einfach zu groß. Da bekommt man ja drei Kleinwagen für. Aber gut - aller Anfang ist schwer. Verkaufsargument für den i3 ist in jedem Fall, dass auch er nur als Elektrovariante zu haben ist und in so fern ein Vergleich mit dem Serienmobil nicht möglich ist. Ich muss also genau dieses Auto kaufen, wenn ich das Design haben will. Allerdings sind 26.900 Euro kein Pappenstiel und das schränkt die Käufergruppe naturgemäß deutlich ein. Dafür bekommt man fast schon Mittelklasse und dann ein Kleinstwagen? Der Wille zur Umwelt muss da schon sehr groß sein.

Andere Hersteller
Die meisten anderen Hersteller setzen auf das Konzept, e-Versionen eines Serienfahrzeugs aufzulegen. Meiner Meinung nach verdeutlicht dies in besonderer Form, wie weit der Weg zur Massen-Emobilität noch ist.

Beispiel: Der e-Golf. Bis zu 190 Kilometer (wahrscheinlich aber doch eher unter 150 km) soll der e-Golf mit einer Batterieladung auskommen. Toll. Steht also die Fahrt in den Skiurlaub an - nur drei bis viermal nachladen. Ich schätze den Preis für den e-Golf auf mindestens 30.000 Euro, wahrscheinlich sogar knapp darüber (für den e-up hat VW den Preis herausgegeben: ab 26.900 Euro). Also ungefähr doppelt so teuer wie der Golf-Einstieg. Nach Werksangaben verbraucht der e-Golf knapp 13 kW auf 100 Kilometern (bei 190 Kilometer Reichweite der Batterie). Ich komme dann rechnerisch auf etwa 3,38 Euro pro 100 Kilometern (Preis kWh: 0,26 Euro). Vergleicht man das mit einem Golf TDI BlueMotion (3,2 Liter Diesel auf 100 km bei 1,45 Euro Dieselpreis) kommt man auf 1,23 Euro Ersparnis pro 100 Kilometern.

Der e-Golf rechnet sich nach etwa 600.000 Kilometern. Das ist mal ein Wort. Also ich fahre das nicht mit einem einzelnen Auto.

Und wie sieht es mit den Schadstoffen aus? CO2?
Gegenwärtig haben wir in Deutschland einen Kraftwerkspark, der pro Kilowattstunde etwa 575 Gramm CO2 in die Umwelt entlässt. Rechnet man das jetzt mal kühn durch, dann steht für einen e-Golf ein CO2-Ausstoß von 74,75 g/km. Gut - dieser kommt nicht aus dem Auspuff, aber da ist er trotzdem. Demgegenüber liegt er bei einem Golf BlueMotion bei 85 g/km. Macht ein Minus von 12%.

Und da muss ich ganz ehrlich sagen: Ist es das wirklich Wert? Wir sind einfach noch nicht so weit, dass wir emissionsfreien Strom produzieren können. Klar - es gibt zwar Ökostrom, aber der steht derzeit noch nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung und das wird wohl auch noch längere Zeit so sein.

Christian Schön (csch)
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